Werbung… Reizthema oder akzeptierter Alltag?

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Ein regionaler Anzeiger und seine aufmerksam gestaltete Titelseite möchte dazu verführen weiterzublättern. Das kennt man. Es ist so normal, dass sich der eine oder andere auf dem Weg zur Arbeit eine Minute am Zeitungsstand gönnt, um eben nur diese Headlines der gut bezahlten ersten Seite zu überfliegen. Der Innenteil erhält häufig weniger Aufmerksamkeit. So sind wir aktuell geprägt.

 

In letzter Zeit ist jedoch – ganz vorne mit dabei – immer öfter ein auffallend gestalteter Hinweis zu finden: Werbung als Hinweis auf den Inhalt, wie „Heute finden Sie hier Ihren MediaMarkt-Prospekt“. Eine Anzeige für eine Anzeige sozusagen.

 

Die von so manchem verschmähte Werbung dient also nicht mehr nur als Einlage, sondern als „Appetithäppchen aus der Küche“. Eine Beförderung des Reizthemas oder ein nahezu verzweifelter Versuch – parallel mit der Überflutung von Anzeigen in Social-Media & Co – auch hier auf eine neue Art der Akzeptanz im Alltag zu treffen? Ist das nun eine erschreckende oder eine sinnvolle Entwicklung?

 

Der Mensch bringt durch Gewohnheit Ruhe in seinen Alltag. Das ist eine natürliche Reaktion. Immer wiederkehrende Werbung, Hinweise und Regeln, gehen in den üblichen Lebensrhythmus über. Der Satz „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, wird schon garnicht mehr bewußt wahrgenommen, die Werbung vor dem YouTube-Video wird nach den erzwungenen ersten paar Sekunden „übersprungen“ und und und…

 

Werbung regt auf. Oft trifft sie mit ihren einlullenden und nicht selten fragwürdigen Aussagen wie „bis zu 100%“ oder „Mega-ultra-supra-turbo-Weiß“, einen Nerv bei uns. Und ausschließlich das ist auch ihr Ziel. Egal ob positiv oder negativ. In der Welt der Versprechen, Reize und Konsumkonkurrenz scheint die Grenze überschritten zu sein, mit Fakten zu überzeugen. Das Ziel wird so oder so erreicht: Aufmerksamkeit.

 

Doch ein Trend schleicht sich ein. Leise, klein und fein kommen wahre Storys daher. Ehrliche Aussagen werden positiv aufgenommen, selbst wenn sie etwas einschränken oder reduzieren. Ein Produkt, das nicht perfekt sein soll, sondern einfach eine gute Qualität vorweist – innerhalb seiner natürlichen Grenzen – wird honoriert. Auch entgeltlich. 

 

In all´ dem Schnellen, Lauten und Bunten in der medialen Welt bekommt der mit Äpfeln beladenen Traktor – der einen Aufkleber am Heck hat, auf dem steht „Regionales sind wir“ – auf der Landstrasse vor uns plötzlich wieder etwas romantisches… etwas ehrliches. 

 

Die Wirkung von Werbung war, ist und wird immer ein Bestandteil unseres Seins sein. Es gibt sie seit Bestehen der Menschheit in den unterschiedlichsten Formen. Und sie kann auch schlicht informieren und zielgruppenorientiert ansprechen. Aktuell fängt Werbung wieder an, Stil zu erhalten. Wir haben mittlerweile verstanden, dass das was da auf dem Bildschirm flimmert und trällert nicht wir sind. Auch nicht unser Nachbar. Auch nicht unser Chef. Das sind Geschichten, die uns steuern: Höher, schneller, weiter… gierig auf immer mehr, immer besser, immer neu.

 

Unsere Aufgabe als Werbende sollte wieder vermehrt sein aufzuzeigen wie sich etwas „anfühlt“. Das tausendste, qualitativ fragwürdige, Bild eines Welpen auf „Insta“, kann das flauschige und warme Gefühl eines Tieres, welches sich an unsere Seite legt und voller Vertrauen einschläft, nicht wirklich „erzählen“. Die Ruhe aufzeigen können, die dieses erlebte Gefühl birgt? Ein hohes Gut. Auch das geht mit Print, Text und ausgewählten Bildern. Es gibt sie, die hochwertigen und ehrlichen Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen. Zielgruppenorientiert handeln bedeutet nachdenken. Eine Komposition aus Feingefühl und ehrlichen Aussagen… mit dem Mut vielleicht nicht alle zu erreichen, aber die Richtigen.